Die Schattenseiten des Tourismus

Der Tourismus zählt heute zu einer der größten Wirtschaftszweige der Welt, welcher jährlich weiter wächst. Weltweit macht der Tourismussektor mehr als 9% der Arbeitsplätze aus und generiert mehr als 10% des Bruttoinlandsprodukts. Dies sehen gerade Entwicklungsländer als Chance, schnelles Wirtschaftswachstum herbeizuführen. Unkontrollierte Tourismusentwicklung birgt jedoch viele Risiken wie die Übernutzung natürlicher Ressourcen oder die Zerstörung von sozialen und kulturellen Strukturen. Diese Seite gibt einen Überblick über die negativen Auswirkungen des Tourismus bezogen auf ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte.

Negative ökologische Auswirkungen des Tourismus

Negative Umweltauswirkungen des Tourismus treten auf, wenn die Nutzung der Besucher höher ist als die Fähigkeit der Umwelt, diese Nutzung innerhalb der akzeptablen Grenzen der Veränderung zu bewältigen.

Land und Ökosysteme

Für den Tourismus attraktive Landschaften wie Küsten, Flussufer, Berge und Seen, sind häufig Gebiete, in denen sich ein reichhaltiges und bio-diverses Ökosystem befinden. Die Entwicklung des Tourismus führt häufig zur Zerstörung solcher Ökosysteme, insbesondere durch den Bau von Unterkünften und Infrastrukturen für die Tourismusbranche. Auch die Waldrodung für den Bau von Gebäuden wird an vielen Stellen dem Tourismus zugeschrieben. Darüber hinaus kann ein viel genutzter Tourismuspfad die Vegetation am Boden schädigen sowie zum Verlust der Biodiversität führen.

Die von uns Menschen meist genutzte konventionelle Sonnencreme hat in vielen Fällen eine negative Auswirkung auf Gewässer und ihre Lebewesen. Rund 14.000 Tonnen Sonnencreme landen jährlich in den Meeren. Viele Inhaltsstoffe von Sonnencremen sind reines Gift für Korallen und andere Lebewesen in den Meeren und richten somit starke Schäden an.

CO2 Emissionen

Wie eine aktuelle Studie zeigt, ist der Tourismus für mindestens 8% der weltweiten CO2 Emissionen verantwortlich, Tendenz steigend. Dabei stammt der Löwenanteil aus dem Flug – und Autoverkehr.

Eine erschreckende Erkenntnis: Allein eine internationale Flugreise kann mehr CO2 Emissionen pro Kopf erzeugen als das klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen.

Hier ein Beispiel: Ein Hin- und Rückflug von Wien nach New York verursacht zwischen 2,5 und 7 Tonnen CO2 Emissionen pro Passagier. Die Pro-Kopf Jahresemissionen liegen weltweit bei 4,8 Tonnen und in Österreich bei 7,2 Tonnen pro Jahr. Das Klimaverträgliche Jahresbudget liegt bei 2,3 Tonnen pro Jahr.

Trinkwasser

Trinkwasser ist eine der wichtigsten Ressourcen unseres Planeten. Die Tourismusbranche verbraucht in der Regel zu viele Wasserressourcen für Hotels, Pools, Golfanlagen und Erholungsgebiete. Besonders Golfplätze benötigen eine enorme Wassermenge, um instand gehalten zu werden. Verschiedene Studien schätzten den jährlichen Wasserverbrauch für Bewässerungszwecke für einen 18-Loch-Standard-Golfplatz zwischen 52 und 1.300 Millionen Liter. Daher wird der Wassermangel gerade in heißen Ländern und saisonalen Urlaubszielen immer häufiger, auch weil Touristen oft mehr als doppelt so viel Wasser verbrauchen wie die indigene Bevölkerung

Abfall

Eine hohe Anzahl von Touristen in Urlaubsregionen führt häufig zu einem Anstieg der Müllproduktion. Eine Studie über Mallorca zeigte, dass ein Anstieg der Touristen um 1% zu einem Anstieg der Abfallentsorgung um 1,25% führte. Gerade in Entwicklungsländern ist die Infrastruktur der artgerechten Müllentsorgung noch nicht sehr weit ausgebaut. Abfallentsorgung durch Verbrennung oder die Entstehung von unsortierten und nicht recycelten Mülldeponien sind eine gängige Methode in Entwicklungsländern, um den anwachsenden Müll loszuwerden. Dies wiederum schadet der Umwelt und führt zur Entstehung klima- und gesundheitlich schädlichen Gasen.

Abwasser

Der Bau von Hotels, Erholungsgebieten und anderen touristischen Einrichtungen ist häufig mit einem Anstieg des Abwassers verbunden. Dies kann zur Verunreinigung von Seen, Flüssen und Küstengebieten führen und so die Flora und Fauna in diesen Gebieten schädigen. Insbesondere in Entwicklungsländern oder in schnell wachsenden Tourismusdestinationen, wo es oft keine oder zu wenige Kläranlagen gibt, entsteht eine hohe Belastung für die Umwelt. Z.B. führt Abwasser, welches in den Ozean fließt, zur Produktion von Algen, die sich wiederum an Korallenriffen ansiedeln und so deren Überleben erschweren.

Auch Kreuzfahrtschiffe verursachen eine hohe Menge an Abwasser. Nach Angaben der Environmental Protection Agency (EPA) erzeugt ein durchschnittliches Kreuzfahrtschiff pro Jahr rund 25 Millionen Liter Abwasser. Zusammengerechnet sind dies mehr als 3,5 Milliarden Liter Abwasser, die von allen Kreuzfahrtschiffen pro Jahr erzeugt werden.

Negative soziale und kulturelle Auswirkungen des Tourismus

Nach dem Verständnis von Nachhaltigkeit zielt ein sozial nachhaltiger Tourismus darauf ab, die Lebensqualität aller am Tourismus Beteiligten zu verbessern (oder zumindest nicht zu verschlechtern) und somit sowohl materielle als auch immaterielle Bedürfnisse der Gesellschaft und des Einzelnen zu befriedigen. Die Begegnung von Touristen und Einheimischen kann sich somit positiv sowie negativ auf eine Gesellschaft auswirken. Diese Auswirkungen entstehen, wenn der Tourismus Änderungen in den Wertesystemen und im Verhalten einer Gesellschaft verursacht. Hier möchte ich ein paar Bespiele für die negativen Auswirkungen aufzeigen.

Kommodifizierung

Der Tourismus birgt die Gefahr der Kommodifizierung, wenn lokale Traditionen, religiöse Feste oder einheimische Riten, Sitten und Gebräuche als Touristenattraktionen verkauft werden.

Standardisierung

Obwohl Touristen häufig das Neue und Unbekannte suchen, bevorzugen sie häufig eine vertraute Umgebung, in der sie sich sicher fühlen. Dies kann dazu führen, dass westliche Lifestyle-Infrastrukturen (wie bekannte Fast-Food-Restaurants oder Hotelketten) in einer ungewöhnlichen Umgebung für die Touristen bereitgestellt werden und dadurch die kulturelle Vielfalt verloren geht.

Kulturelle Anpassung

Touristen leben oft einen anderen Lebensstil als die lokale Bevölkerung im bereisten Land. Dies kann dazu führen, dass Verhaltensmuster, Kleidungsstile oder Ess- und Trinkgewohnheiten der Touristen von Einheimischen nachgeahmt werden, da sie diese als besser erachten. Obwohl ein Teil der Gesellschaft diesen kulturellen Wandel anmint oder anstrebt, lehnt ein anderer Teil, oft die ältere Generation, diesen Wandel ab, da sie damit ihre Werte und Traditionen in Gefahr sehen. Dies kann zu sozialen oder ethnischen Spannungen in einer Gemeinschaft führen. Es ist jedoch umstritten, inwieweit der Tourismus für den Kulturwandel verantwortlich ist, da bereits die weit verbreitete Kommunikation (Internet, Fernsehen usw.) zu einer schnellen Verbreitung des westlichen Lifestyles in der ganzen Welt beiträgt.
Hier möchte ich anmerken, dass Akkulturation und Standardisierung nicht nur in Entwicklungsländern vorkommt. Kleinstädte in der Zentralschweiz haben bereits eine angepasste Infrastruktur für ihre indischen Touristen eingerichtet, die in die Schweiz reisen, um ihre Lieblings-Bollywood-Filmsets zu besuchen.

Landkonflikt

Der Tourismus ist häufig verantwortlich für den Ausschluss oder die Vertreibung der lokalen Einwohner aus ihrer Heimat. Dazu zählen obligatorische Umsiedlungen von Einheimischen aus für Touristen vorgesehenen Nationalparks und dass zumeist ohne angemessene Entschädigungen, sowie das Vertreiben von Fischern von ihren nahegelegenen Stränden für die Entwicklung einer touristischen Infrastruktur.

Sextourismus

Der Tourismus ist nicht direkt die Ursache für sexuelle Ausbeutung in vielen Ländern, jedoch trägt er stark dazu bei, indem er Prostitution leicht zugänglich macht. Dabei unterscheidet sich Prostitution im Sextourismus in vielen Fällen von der traditionellen Form der Prostitution, hauptsächlich aufgrund der Bezahlung mit Waren oder anderen Dingen anstelle von Geld. Auch wenn kommerzieller Sex in bestimmten Ländern stärker vertreten ist als in anderen, gibt es Sextourismus auf der ganzen Welt.

Negative wirtschaftliche Auswirkungen des Toruismus

Neben Vorteilen wie Wirtschaftswachstum oder einer guten Einahmequelle kann der Tourismus die Wirtschaft einer Region auch negativ beeinflussen. Obwohl gerade Entwicklungsländer ein dringendes Bedürfnis nach Einkommen, Beschäfigung und allgemeiner Verbesserung der Lebensqualität haben, sind sie es, die am wenigsten von den positiven ökonomischen Auswirkungen profitieren. Dies hängt unter anderem sehr stark mit dem Effekt „Leakage“ (zu deutsch „Sickerrate“) zusammen.

Leakage (Sickerrate)

Das direkte Einkommen einer Region durch den Tourismus berechnet sich aus den gesamten Ausgaben der Besucher, abzüglich der Gewinne und Löhne, die an außerhalb lebende Anteilseigner gezahlt werden, und abzüglich der Kosten für importierte Waren (Lebensmittel, Getränke, etc.). Diese Abzüge nennt man „Leakage“. Laut Studien spricht man bei Entwicklungsländern über einer Sickerrate von 40 bis 50%, bei Inseln häufig sogar höher. Bei entwickelten Ländern liegt diese bei 10 bis 20%.

Dabei unterscheidet man zwischen drei Arten von Leakage:

1. Leakage durch Importe

Dies ist auf die Nachfrage nach Produkten für Touristen zurückzuführen, die nicht im Land produziert werden und daher importiert werden müssen. Insbesondere in Entwicklungsländern müssen Lebensmittel und Getränke importiert werden, entweder weil die Lebensmittel nicht dem gewünschten Standard entsprechen oder einfach nicht im Land hergestellt werden. So verlässt ein großer Teil der Einnahmen aus dem Tourismus wieder das eigene Land, um diese Importe zu bezahlen.

2. Leakage durch Exporte

Multinationale und große ausländische Unternehmen haben oft ihren Anteil am Leckage. Gerade in Entwicklungsländern sind es häufig diese Unternehmen, die über das notwendige Kapital verfügen, um eine Infrastruktur für Touristen aufzubauen. Die Folge sind Sickerraten, da ausländische Investoren, welche die Hotels oder die Infrastruktur finanziert haben, ihre Gewinne in ihr Heimatland zurückbringen.

3. Unsichtbarer Leakage

Dieser entsteht durch Kosten oder Ausgaben, die innerhalb einer Region oder eines Gastlandes anfallen, welche jedoch nicht dem Tourismus zugeschrieben werden. Diese Kosten entstehen zum Beispiel durch Umwelt-, Natur- oder Kulturschäden sowie Steuervermeidungen oder informelle Währungstauschgeschäfte.

All inclusive Pakete

All inclusive Pakete für Reisen gibt es fast überall auf der Welt. Diese haben jedoch oft negative sozioökonomische Auswirkungen. Das Problem bei solchen Angeboten besteht darin, dass die All inklusive Hotels oder Resorts den Touristen von Ankunft bis Abreise alles bieten, was sie benötigen. Somit fließen auch die gesamten Ausgaben der Touristen dorthin, ohne dass die lokale Bevölkerung davon profitiert. Zusätzlich kommen die Besitzer großer Hotelketten oftmals aus wohlhabenderen Ländern, sodass das Geld oft auch wieder das Land verlässt. 

Preisanstieg in beliebten Touristenzielen

Die steigende Nachfrage nach touristischen Produkten und Dienstleistungen in einer Region kann zu einem Preisanstieg und somit zu erhöhten Lebenserhaltungskosten führen. Dies betrifft in den meisten Fällen nur die lokale Bevölkerung, da die Löhne nicht proportional dazu steigen. 

Zusätzlich können langfristige Touristen zu einem Immobilienpreisanstieg führen, wenn sie eine kritische Masse erreichen.