Wie kann ich nachhaltiger verreisen?

Nachhaltiges oder ökologisches Reisen wird immer mehr thematisiert. Auch zeigen Umfragen, dass dies für viele Urlauber ein wichtiges Kriterium ist. Doch wirklich nachhaltig gereist wird heute noch sehr wenig. Auch meine Studie, die ich im Rahmen meiner Masterarbeit durchgeführt habe, kommt zu dem Ergebnis.

Wenn ich gefragt werde, was nachhaltiges Reisen für mich bedeutet, antworte ich immer gerne: „Bewusstsein“. Denn für mich war es damals die Erkenntnis und das Bewusstsein, welches mich dazu bewegt hat, mich nach Alternativen umzuschauen. Und zwar das Bewusstsein, dass Reisen und Urlaub, neben den schönen Erlebnissen und der Erholung, auch eine Vielzahl an negativen Auswirkungen auf uns Menschen und die Natur hat. Und diese negativen Auswirkungen gilt es zu reduzieren, denn wir wollen ja alle auch noch in Zukunft in einer intakten Welt reisen können.

Daher möchte ich hier Tipps aufzeigen, wie man eine Reise oder einen Urlaub nachhaltiger gestalten kann.

1. Sich vor der Reise über sein Gastland informieren und ein paar Wörter in der Landessprache lernen

Jedes Land hat seine Eigenheiten, seine eignen Regeln und Normen. Jeder kennt das Sprichwort „andere Länder, andere Sitten“. Deshalb ist es gut sich vor einer Reise über genau diese Sitten zu informieren und diese auch zu respektieren. Dazu zählen zum Beispiel Kleidungsvorschriften in der Öffentlichkeit, Regeln der Höflichkeit oder auch so etwas wie gebe ich Trinkgeld und wie gehe ich mit Bettlern um. Es schadet auch nicht ein wenig Wissen über die Kultur und die Geschichte des Landes in Erfahrung zu bringen. Und ich persönlich finde es mehr als sinnvoll, ein paar Wörter in der Landesprache zu erlenen. Das erleichtert nicht nur die Kommunikation, sondern ist auch eine Art des Respekts den Einheimischen gegenüber.

Die Seite Fairunterwegs gibt brauchbare Tipps und Informationen, wie man eine nachhaltige Reise vorbereiten und planen kann.

2. Den Koffer richtig packen

Auch beim packen seines Koffer kann man schon sehr viel tun. Dies fängt schon beim Koffer oder bei der Reisetasche an. Ist gibt heutzutage schon viele Angebote von umweltfreundlich oder aus recycelten Materialien hergestellten Reisetaschen und Koffer. Es gibt sogar Plattformen, wo man sich diese mieten kann. Auch beim Inhalt kann man einen Unterschied machen. GOTS und Fairwear zertifizierte Klamotten, Bademode aus recycelten Materialen oder FlipFlops aus Naturkautschuk, um nur ein paar Beispiele zu nennen. In fast jeder Stadt gibt es schon Läden, wo man solche Artikel erwerben kann. Und wenn nicht, bei Avocadostore im Internet wird man meistens fündig. Und allgemein lohnt es sich zu schauen, was man denn wirklich im Urlaub braucht. Alles was du zuhause lässt, erleichtert nicht nur dir das Tragen, sondern führt auch zu weniger Emissionen durch weniger Gewicht beim Transport.

Kulturbeutel

Auch Kosmetik spielt eine wichtige Rolle. Leider ist es so, dass konventionelle Kosmetik sehr viel Chemie enthält, die nicht nur der Natur, sondern sehr oft auch uns selbst auf Dauer schadet. Viele Produkte sind auf Erdölbasis und enthalten Mikroplastik, das sind Inhaltsstoffe, die wir nicht in der Natur haben wollen. Auch bei der Verpackung kann man schauen, dass diese biologisch Abbaubar ist oder aus Naturmaterialen hergestellt wurde. Ich kann dafür jedem die App Codecheck empfehlen. Mit dieser App kann man ganz einfach den Barcode seiner Pflegeprodukte scannen und sie verrät einem, welche Inhaltsstoffe darin schädlich für Mensch und Natur sind. Alternativen gibt es schon unzählige auf dem Markt. Man sollte dabei nur beachten, dass Naturkosmetik kein geschützter Begriff ist. Daher lohnt es sich zusätzlich noch auf Siegel wie EcoCert oder bekannte Biosiegeln zu achten.

Sonnenschutz

Gerade die Sonnencreme darf in fast keinem Urlaub fehlen. Doch auch hier sollte man darauf achten, welche Inhaltsstoffe enthalten sind. Schätzungen nach landen bis zu 14.000 Tonnen Sonnencreme jährlich im Meer und viele Inhaltstoffe sind dabei Gift für Meeresbewohner und Korallen. Beim Kauf der Sonnencreme sollte also darauf geachtet werden, dass diese auf mineralische Schutzfilter setzen und frei von Nano Partikeln, Mikroplastik und Inhaltsstoffen auf Erdölbasis sind. Außerdem kann man gerade beim Schnorcheln oder schwimmen über Korallenriffen als Schutzmaßnahme die Haut schützen, indem man sich etwas überzieht.

 

3. Eine umweltfreundliche Art der An- und Abreise wählen

Die Wahl des Transportmittels spielt eine zentrale Rolle, wenn es um nachhaltiges Reisen geht. Im Moment beobachten wir einen anwachsenden Trend, wenn es um Flugreisen geht. Doch leider haben gerade Flugreisen eine enorme negative Auswirkung auf unser Klima und somit auf unsere Natur.

Wenn wir dem Klimawandel entgegenwirken wollen, müssen wir unseren CO2 Ausstoß weltweit auf 2,3 bis 2,7 Tonnen CO2 pro Jahr reduzieren. Der durchschnittliche CO2 Ausstoß pro Kopf liegt derzeit bei ca. 5 Tonnen, in Europa bei ca. 9 Tonnen CO2 pro Jahr. Dabei schlägt eine Flugreise enorm zu Buche. Allein ein Hin- und Rückflug von Wien nach New York verursacht ca. 3 Tonnen CO2 pro Person. Das sollte jedem bewusst sein, der sich für eine Flugreise entscheidet.

Auch Kreuzfahrtschiffe haben einen sehr schlechte Klimabilanz. Eine Woche Kreuzfahrt auf einem Kreuzfahrtschiff mit 2000-3000 Passagieren, verursacht ca. 2 Tonnen CO2 pro Person.

Umweltfreundlicher Reisen kann man mit Bus und Bahn, auch der PKW ist im Vergleich zum Flugzeug umweltfreundlicher, zumindest wenn man damit nicht allein unterwegs ist. Wenn es also möglich ist, sollte man versuchen, auf das Flugzeug oder das Auto zu verzichten. Wenn wir uns aber doch für eine Flugreise entscheiden, dann sollte sie sich auch lohnen. Gerade bei Fernreisen sollte man daher länger am Urlaubsort verweilen. Ein Wochenende in London (Anreise mit dem Flugzeug) oder eine Woche in New York ist aus nachhaltiger Sicht nicht zu vertreten. Dabei hilft die Faustregel, je größer die Reisedistanz, desto länger sollte auch die Reise an sich sein.

Ein guter Vergleich der CO2 Auswirkungen verschiedener Reisen liefert diese Studie des WWF.

4. Eine nachhaltige Unterkunft wählen

Auch die Wahl der Unterkunft spielt eine wichtige Rolle, wenn es um nachhaltiges Reisen geht. Dabei sollte man besonders auf drei Dinge achtgeben: Umweltverträglichkeit, Arbeitsbedingungen und Wertschöpfung für die Region. Da diese Dinge auf den ersten Blick leider nicht so wirklich ersichtlich sind, gibt es Zertifizierungsbehörden, die genau auf diese Punkte bei Unterkünften schauen und diese dann auch bewerten.

Auch hier hilft Fairunterwegs weiter. Denn leider gibt es heutzutage schon eine viel zu große Zahl an Zertifikaten im Tourismus, so dass es uns als Reisende schwerfällt, da noch durchzublicken. Fairunterwegs listet 20 führende touristische Nachhaltigkeitslabels nach klaren Kriterien auf.

Doch auch jeder selbst kann ein bisschen auf Nachhaltigkeit bei der Unterkunft achten. So kann man zumindest schauen, ob die Unterkunft Nachhaltigkeitskriterien auf ihrer Homepage kommuniziert. Oder ob in den Bewertungen etwas dazu steht. Und vor Ort kann man dann auch nach diesen Dingen ausschau halten und darüber berichten.

Gerade in Entwicklungsländern sollte man allgemein einheimisch geführten, kleineren und landestypischen Unterkünften den Vorzug geben. Damit kann man zumindest schon einmal sicher sein, dass das Geld auch bei der lokalen Bevölkerung ankommt. Bei großen Hotelketten oder international geführten Unterkünften geht häufig ein Großteil des Geldes durch sogenanntes Leakage (Sickerrate) „verloren“.

5. Umweltfreundlichere Transportmittel am Urlaubsort wählen

Wie auch bei der Anreise, kann man auch bei der Wahl der Transportmittel am Urlaubsort umweltfreundlichere Alternativen wählen. Am umweltfreundlichsten ist es natürlich zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Ich persönlich finde diese Art auch die angenehmste, wenn man eine Stadt erkunden möchte. Aber auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind natürlich eine gute Wahl. Ein eignen PKW oder ein Taxi sollte man wenn möglich wieder vermeiden, oder sich mit mehreren zusammen tun, um den PKW mehr auszulasten.

6. Versuchen Müll zu reduzieren

Wie Zuhause, sollte man auch im Urlaub versuchen Müll zu reduzieren. Eine eigene Trinkflasche kann z.B. schon einmal helfen, auf den Kauf von Plastikflaschen zu verzichten. Natürlich ist das Leitungswasser in anderen Ländern nicht immer so sauber wie bei uns. Man sollte sich daher vorher immer erkundigen, ob man das Leitungswasser trinken kann, oder ob es Trinkwasserbrunnen oder andere Stationen gibt, an denen man seine Flasche wieder auffüllen kann.

Auch eine Einkaufstasche sollte immer dabei sein, so kann man darauf verzichten Plastiktüten anzunehmen oder zu kaufen. Damit kann man in vielen Ländern auch gleich ein bisschen auf die Problematik des vielen Plastiks aufmerksam machen.

In vielen Ländern funktioniert die Müllentsorgung noch nicht so gut wie bei uns. Gerade in Entwicklungsländern findet man daher sehr viel Müll in der Natur. Auch das Verbrennen von Müll ist eine gängige Art, den Müll loszuwerden. Daher ist es umso wichtiger in diesen Ländern so wenig Müll wie nur möglich zu erzeugen. So kann man z.B. schon vor dem Urlaub überlegen, was man so alles braucht und es dann schon zuhause kaufen. Somit bleibt der Verpackungsmüll schon einmal im Land mit einem funktionierenden Abfallsystem.

Sondermüll, wie z.B. Batterien oder kaputte Elektrogeräte, sollten am besten wieder mit nach Hause genommen werden, um sie dort fachgerecht zu entsorgen.

7. Wasser und Energie sparen

Auch im Urlaub ist es gut auf seinen Wasser- und Energieverbrauch zu schauen. Denn anders als bei uns, gibt es auch Länder, in welchen es gerade in der Sommerzeit an Wasser mangelt. Daher sollte man gerade in diesen Ländern versuchen, Hotelresorts, mit angelegten grünen Oasen oder untypischen Golfanlagen zu meiden. Auch die Dusche kann man kürzer gestalten. Somit kann jeder dazu beitragen, das kostbare Wasser, dass die Bevölkerung zum Leben braucht, zu sparen.

Das mit den Handtüchern in den Hotels ist nichts neues. Diese müssen meiner Meinung nach, wie auch zuhause, nicht jeden Tag gewaschen werden. Auch damit kann Wasser und Energie gespart werden. Und auch die Klimaanlage verbraucht in Hotels sehr viel Strom. Daher kann man diese in seinem Zimmer immer abschalten, wenn sie gerade nicht gebraucht wird.

8. Die lokale Bevölkerung unterstützen

Gerade in Entwicklungsländern wird der Tourismus als eine wichtige Einnahmequelle gesehen und als Hoffnung die Wirtschaft zu stärken. Deshalb ist es umso wichtiger, dass in diesen Ländern auch das Geld der Touristen im Land und somit bei der Bevölkerung ankommt. Wie oben schon erwähnt sollten deshalb lokale Unterkünfte internationalen Hotelketten vorgezogen werden. Auch auf importiere Ware sollte man wenn möglich verzichten. Lieber regionale und saisonale Produkte beziehen, einheimische Restaurants besuchen und lokale Reiseanbieter für Touren und Ausflüge aufsuchen.

9. Sich am Urlaubsort engagieren

Wenn man möchte, kann man auch im Urlaub selbst aktiv werden. In vielen Küstenregionen gibt es immer wieder Organisationen, die zum Beach Cleanup, also zur Säuberung der Strände aufrufen. Da kann dann jeder mitmachen. Schaut doch mal bei eurem nächsten Urlaub am Meer, ob es solche Aktionen gerade gibt. Vielleicht ist euch auch der Begriff „Plogging“ bekannt. Er kommt aus dem schwedischen und vereint das Wort „plocka“ (aufheben, pflücken) und jogging, also Joggen gegen die Vermüllung. So kann man bei der morgendlichen Laufrunde am Meer oder in der Natur einfach einmal ein bisschen Müll aufsammeln und artgerecht entsorgen. Dies führt nicht nur zu einer sauberen Umwelt, sondern inspiriert vielleicht auch die Einheimischen, weniger Müll in der Natur zu entsorgen. Denn gerade in Entwicklungsländern spricht man auch immer wieder von der Gefahr der kulturellen Anpassung durch den Tourismus. Wir haben häufig einen anderen Lebensstil, andere Verhaltensmuster oder Gewohnheiten als die einheimischen Menschen. So sollten wir stets bemüht sein, ein gutes Vorbild abzugeben, damit diese kulturelle Anpassung sich nicht auf Dauer negativ auswirkt.